Driwwer schwätzen – 1

Mir hu verschidden Leit gefrot, eis hier Erfahrungen als Betraffener vu psychesche Krankheeten z’erzielen an dräi Froen gestallt.

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Wie reagiert dein Umfeld auf deine Krankheit?

Marie: Die Reaktionen varieren sehr stark, je nach Person. Meine Familie nimmt mich so an, wie ich bin, in der Außenwelt ist das schon wieder anders. Im Laufe meiner Schulkarriere (ich besuche derzeit die 12. Klasse) musste ich einige Pädagogen kennenlernen, die meine Krankheit nicht akzeptiert haben und mir eher Steine in den Weg legten. Von Bekannten  musste ich mir auch schon Aussagen wie “AD(H)S gibt es nicht, das ist erfunden” und ähnliches anhören, mittlerweile tangiert es mich nicht mehr wirklich.

Was bedeutet Selfcare für dich?

Marie: Das ist so eine Sache, die ich für mich persönlich leider noch nicht so wirklich definiert habe. Ich sehe bei einigen anderen Menschen, was Selfcare bedeuten kann, für mich selbst ist das derzeit noch unklar. Mein großes Problem derzeit ist, dass ich sehr hohe Ansprüche an mich selbst stelle bzgl. meines Abiturs, da ich Psychologie studieren möchte – durch das ADS verträume ich recht viel Zeit statt produktiv zu sein, was mir dann ein echt schlechtes Gefühl hinterlässt. Ich versuche in solchen Situationen für Selfcare zu sorgen, indem ich mir immer wieder bewusst mache, dass das gesamte Leben ein Prozess ist und man nur ein Stein nach dem anderen legen kann, dass ich schon viel mache und dass ich mich schon besser strukturiere als früher. Diese Vorgehensweise mindert das permanente Gedankenkarussell in meinem Kopf manchmal, aber leider noch nicht immer.

Wie holst du dir Hilfe, wenn du dir alleine nicht mehr helfen kannst? Was sind eventuelle Probleme/Hindernisse dabei?

Marie: Meine Mutter ist für mich eine große Hilfe, sie gibt mir schon guten Rat. Ein Problem für mich ist dabei, dass ihr nicht den Eindruck geben möchte, ich wäre nicht reif genug, um meine eigenen Probleme zu lösen, zusätzlich hat sie selbst diverse eigene Probleme in ihrem Leben und ich bekomme ein Gefühl der Beklemmung, wenn ich sie (zu oft?!) um Rat  frage. Ich komme mir dann einfach vor wie ein kleines Kind, welches seine Mutti um Hilfe fragt, obwohl wir mittlerweile ein gutes Verhältnis haben und sie jetzt keine Autoritätsperson oder ähnliches darstellt.
Meine Mentorin bei Arbeiterkind hat mir empfohlen, dass ich mich zu einem Psychologen wende, damit ich ein Auffangnetz habe, wenn die Problematik schlimmer wird. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich daran schon Interesse, aber keine Zeit neben Schule, Arbeit und chronisch kranken Hunden, das  sind so die Hindernisse in diesem Fall.

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Was bedeutet Selfcare für dich?

Alyssa: Ich finde den Begriff total schwammig und irgendwie verstehe ich nicht ganz wieso das gerade überall so Trendthema ist, aber Selfcare bedeutet für mich wohl am ehesten, dass ich, wenn ich das gerade nötig habe, einfach auf so gut wie alle Verpflichtungen scheißen kann und halt paar Tage mit Netflix vor mich hingammle.

Wie reagiert dein Umfeld auf deine Krankheit?

Alyssa: Ich habe kaum näheren Kontakt zu Leuten, die nicht von meinen psychischen  Krankheiten wissen und die meisten Leute in meinem Umfeld sind selber davon betroffen, also stoße ich nicht besonders viel auf Unverständnis oder so.

Wie holst du dir Hilfe, wenn du dir alleine nicht mehr helfen kannst? Was sind eventuelle Probleme/Hindernisse dabei?

Alyssa: Dementsprechend hole ich mir die Hilfe die ich brauche von meinem Umfeld oder indem ich  mich doch Mal wieder dazu entscheide zum Psychiater zu gehen und vielleicht Mal meine Medikamente zu ändern etc. Wozu mich meistens dann eben die Freunde überzeugen, die ich mit meinen Problemen zulabere.
Das Problem dabei ist, dass ich damit doch sehr in einer Bubble lebe und  wenn ich irgendwie dazu gezwungen bin mit der “normalen” Außenwelt zu  interagieren wirklich unfähig sein kann. Also so Sachen wie Termine  einhalten, nicht schon um 15 Uhr total breit sein wenn ich das möchte, jeden Tag ausschlafen egal um wie viel Uhr ich die Nacht davor schlafen gegangen bin, etc.

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Was bedeutet Selfcare für dich?

Anonym: Mir Zeit für mich nehmen. Versuchen…weiß nicht, es ist urschwer das zu definieren. Auch mal egoistisch sein. Sachen machen, die nicht für andere von Vorteil sind. Zum Beispiel mal alleine ins Kino gehn. Vor allem bedeutet Selfcare für mich aber, mir selbst gegenüber ehrlich zu sein, was meinen momentanen Zustand angeht. Zu versuchen, mich nicht selber zu belügen und es mir nicht schönzureden. Erst wenn ich das geschafft hab, kann ich entscheiden, ob ich gerade ein heißes Bad brauche oder besser auf einem Metal-Konzert meine Aggressionen rauspoge. Das Eingeständnis gegenüber mir selber, dass es mir gerade nicht gut geht.
 

Wie reagiert dein Umfeld auf deine Krankheit?

A: Das ist generell nicht verallgemeinerbar. Bei mir tendenziell sehr gut. Das liegt aber sicher auch daran, dass ich anderen Menschen gegenüber schonungslos ehrlich bin und ihnen auf den Tisch knall, was sie zu erwarten haben. Und wer nicht damit klar kommt, kann gerne wieder nach Hause gehn. Ich hatte natürlich auch schon miserable Erfahrungen. Vor allem, wenn wieder was neues ausbricht, kann es sein, dass auch enge Freund*innen nicht gut damit klarkommen. Leute glauben uns oft nicht, denken dass wir nur Show machen und Aufmerksamkeit wollen. Denn wie oft kommt es vor, dass Menschen auf einmal rausfinden, dass sie ne Multiple Persönlichkeit haben? Vor allem, wenn eine Persönlichkeit dann auch noch ein anderes Geschlecht hat als die „Ausgangsperson“.
 

Wie holst du dir Hilfe, wenn du dir alleine nicht mehr helfen kannst? Was sind eventuelle Probleme/Hindernisse dabei?

A: Da is mein Hauptproblem, dass ich kein Selbstwertgefühl hab, das macht es extrem schwer, Hilfe zu holen. Bzw das nervige “ich muss das alleine schaffen”. Die Menschen die mir nahe stehen merken zum Glück meistens wenn ich grad nicht mehr weiter kann.
Ich muss meistens dazu getreten werden mir helfen zu lassen.
Mittlerweile schaffe ich es auch immer wieder mir zu erlauben Hilfe zu holen, auch wenn ich noch nicht komplett im Arsch bin ^-^

Art by Frizzkidart

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