Anna Freud

Mit dem Namen Freud verbindet man meistens den Psychoanalytiker und Neurologen Sigmund Freud. Dass seine (im Jahre 1895 in Österreich geborene) Tochter Anna jedoch eine ebenso wichtige Rolle für die Psychoanalyse gespielt hat, ist zwar bekannt, wird aber oft außer Acht gelassen.
Anna Freud, die zu Anfang noch als Lehrerin tätig, entwickelte früh ein Interesse für die psychische Gesundheit von Kindern und die Psychoanalyse. Wegen diesem Interesse, absolvierte sie auch später eine Lehranalyse die es ihr ermöglichte als Psychoanalytikerin zu arbeiten und eine eigene Praxis zu eröffnen. Nebenberuflich kümmerte sie sich noch um die Praxis ihres Vaters, dem sie gelegentlich unter die Arme griff und den sie auf diversen Kongressen vertrat. Freud gründete im Laufe ihres Lebens auch unterschiedliche Einrichtungen für Kinder, unter anderem die Hietzinger Schule und die Jackson Krippe (die  Jackson Krippe war insbesondere für Kinder gedacht, die aus ärmlichen Verhältnissen kamen). Außerdem eröffnete sie in den 30er Jahren  in London Pflegheime für Waisenkinder  und Kriegskinder (sogenannte War Nurseries), was bis heute (wenn auch in einer anderen Form) noch immer existiert.
Obwohl auch in der Erwachsenenforschung tätig, wurde sie vor allem durch ihre tiefgreifenden Erkenntnisse in der Kinderanalyse zu einer Schlüsselfigur der Psychoanalyse. Nach Anna Freud bestand nämlich ein direkter Zusammenhang zwischen den Problemen der Eltern und dem Verhalten der Kinder. Gibt es beispielsweise interfamiliäre Differenzen, so färbt das auch immer auf das Kind ab. Dadurch kann das Kind (zumindest nach Freud) eine Psychose entwickeln die in direktem Zusammenhang mit den Problemen der Eltern steht. Problematisch wird das vor allem dann, wenn die Eltern sich jeglicher Einsicht verweigern und die Schuld ausschließlich beim Kind suchen. Dadurch kann eine Therapie enorm erschwert werden und den  Heilungsprozess beim Kind blockieren. Das beiseiteschaffen der Psychose ist ihnen meist das größere Anliegen, die Ursachenforschung wird dabei jedoch oftmals nicht berücksichtigt. Genau das sei aber notwendig, so Freud: nur wenn die Eltern eine eigene Behandlung in Betracht ziehen, kann auch ihrem Kind geholfen werden. Erfolgt dies nicht, kann das Verhalten des Kindes nicht geändert werden, weil es immer wieder mit den Problemen der Eltern konfrontiert wird.

Wichtig sei es aber auch, dem Kind die Situation so zu vermitteln, dass es sie  auch nachvollziehen kann.

Wichtig sei es aber auch, dem Kind die Situation so zu vermitteln, dass es sie  auch nachvollziehen kann. Deshalb seien eine angemessene Sprache und eine emotionale Basis zwischen dem Therapeuten und dem Kind wichtig, eine Distanz zu schaffen wäre somit nicht ratsam. Der Therapeut muss dem Kind zeigen das er ihm helfen will und ihm auf  Augenhöge begegnen. Nur so kann eine gesunde Basis entstehen, die es dem  Kind ermöglicht Vertrauen zu fassen und den Heilungsprozess zu  fördern.
Obwohl diese Erkenntnisse natürlich einen gewissen Stellenwert in der persönlichen und beruflichen Biographie von Anna Freud haben, kann man sie nicht nur darauf reduzieren: Freud war es zu Lebzeiten ein großes Anliegen, das man das Pädagogische mit dem Rechtlichen verbinden kann. So setzte sie sich für grundlängende Veränderungen im Bereich des Sorgerechts und der Unterbringung von Kindern ein.
Im Jahre 1982 starb Anna Freud in London und hat ein großes Erbe in der Psychoanalyse und vor allem in der Kinderanalyse hinterlassen, eine Erbe was bis heute spürbar ist.

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